Lotta C’s Weblog











{Mai 7, 2009}   Lotta on Tour – 05.05.2009

Die Desi verspricht immer ein sehr, sehr geiles Konzert zu werden. Chaoze und ich werden am 30.5. dort auch auf dem „Fight Back Festival 2“ spielen und hatten den anderen, die noch nie in der Desi gewesen sind schon begeistert vom einzigen linken Club erzählt, in dem Hip Hop den Ton angibt und nicht Punk oder HC. Dawid, der Devil hat die sehr enge und steiel Einfahrt zur Desi hoch mühelos gemeistert und uns dann noch den blauen Teppich vor den Bus gelegt und ein Festivalsofa gebaut, auf dem ich gut und gerne den Tag hätte verbringen können, wäre es nicht so kalt gewesen.

Unser Veranstalter Ben, ebenfalls Rapper und Mitglied der Crew „Kurzer Prozess“ hatte sich alle Mühe gegeben und bereits ein leckeres Frühstück aufgefahren, dass wir über mehrere Stunden genießen konnten. Leider spielte das Wetter nicht mehr so mit und Wind, Wolken und Regen gaben mir den Rest, so dass mein erster Gang vom Desi Gelände runter zu einer Apotheke führte: Hustenlöser, Halsschmerztabletten, Schmerztabletten, eine Runde Mitleid. Hatte ich gestern noch Chaoze veräppelt, war ich jetzt dran mit leiden und irgendwie war ich mir nicht sicher, wie ich den Auftritt am Abend schaffen sollte.

Den Tag habe ich mehr oder weniger komplett in einem Waschsalon verbracht, während Chaoze, Deadly und Moh bei einem Radiointerview im Radio Z waren. Nürnberg wird in Zukunft wohl einiges von uns hören, denn nach dem Konzert am Abend habe ich Callya im Interview mit einem Radio Z-Vertreter gesehen, ich selbst habe dem Jugendantifa Radio „Bambule“ was auf dem MP3-Player gelabert (ey, aber kein Shoutout!) und Asya stand auch einem Radio-Z-Macher Rede und Antwort. Ihr werdet also in Zukunft wahrscheinlich 24/7 von uns vollgelabert werden… In Nürnberg scheint also gar nicht so viel los zu sein wie ich dachte. Dabei war es doch diese Stadt in der ich die erste und einzige Demonstration gegen Abtreibung gesehen habe. Bisher dachte ich immer, das würden Leute nur denken, aber nicht dagegen demonstrieren. Am liebsten hätte ich meinen BH verbrannt oder mir ein Schild umgehängt mit „Ich bin voller Sünde und stolz drauf!“. Aber ich war so baff, dass mir das erst später eingefallen ist. Was geht die verdammt noch mal an, was ich mit mir mache? Bin ich eine Gebärmaschine, die wenn sie schwanger ist ihre Selbstbestimmung an vergreiste, konservative Kirchenoberhäupter abzugeben hat?

Und liebe Desi-Besucher, was war mit euch zu Beginn der Show los? Wart ein wenig müde, gelle? Nicht mal der Diss mit München (und der ist sonst sehr zuverlässig), hat euch aus der Reserve gelockt. Zum Glück habt ihr uns dann während des Stromausfalls nicht hängen gelassen und sogar der Sound, der am Anfang wirklich schlimm war und sich eher nach Telefon anhörte, wurde sehr viel besser als der Strom wieder da war. Und endlich hat Nürnberg uns das gegeben wofür wir gekommen waren: Party. Eure Breaker habe ich allerdings vermisst…

Ich musste mich dann unbeliebt machen, als ich darum gebeten habe mit dem Rauchen aufzuhören. Aber selbst 4 Ibuprofen 400 mg haben meine Halsweh nicht aufgehalten und auch das Hals- und Rachenspray, von dem ich mittlerweile wohl abhängig sein dürfte, hat auch nicht mehr gewirkt. Und das vor dem schönsten Lied „Me guste la vida“. Der Rauch gab mir dann echt den Rest und ich dachte, wenn die nicht aufhören mit Rauchen, krieg ich gleich keinen Ton mehr raus. Na ja, ich hoffe, die RaucherInnen haben meine Bitte nicht übel aufgefasst. Es ist nur sehr schwer zu rappen und zu singen, wenn dieser Tabakrauch einem ins Gesicht geblasen wird, denn der Rauch steigt ja leider nach oben und die Leute rauchen ja auch in deine Richtung, weil sie dich ansehen. Und weil man beim Rappen so eine Art Schnappatmung kriegt, inhaliert man zwangsläufig so viel, dass man meint es wäre eine ganze Packung Gauloise ohne Filter gewesen. Außerdem ist es ja eh ungesund, nech?!

Jetzt sind wir auf dem Weg nach München und einige koordinatorische Hindernisse liegen vor uns. Wir können leider mit dem Bus nicht vor dem Kafe Marat parken, müssen also schnell alles ausladen und dann fährt Dawid auf eine Raste, wo er einige Stunden Pause macht. Für uns bedeutet das, alles mitzunehmen, was wir brauchen und unsere Duschsachen gegebenenfalls den ganzen Tag durch München zu schleppen. Erst um 1:30 Uhr kommt Dawid zurück und lädt uns und die Sachen wieder ein. Dann geht es sofort weiter nach Luzern, wo uns Oli Second von Direct Raption in Empfang nehmen und gleich in seine Schule bringen wird, wo wir einen Workshop mit den Schülerinnen und Schülern machen werden. In Luzern werden wir auch einen zweiten Fahrer mit an Bord nehmen, denn wir müssen nach dem Gig in Luzern sofort weiter nach Straußberg, also in die Nähe von Berlin. Mal sehen ob und wie das alles klappt. Aber bis jetzt halten sich alle immer an die Zeitpläne, wir haben noch niemanden vergessen und es packen alle mit an.

München, wir kommen! Ich leg mich noch ein wenig hin, meine Erkältung kurieren, die mich heute nicht mehr nur durch Halsweh sondern auch Stimmbruch und Schnupfen plagt. Mist!



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