Himmel, wo liegt eigentlich Straußberg? Gleich hinter oder neben Berlin, je nachdem von wo man guckt. Gabriel, unser zweiter Fahrer, den wir in Luzern aufgegabelt haben und der laut Dawid den Bus durch Polen gelenkt haben muss, hat sich dann auch gleich nach einem Mittagessen in der City (ha, ha, ha!) in die Bahn gesetzt und ist nach Hause, Richtung Berlin abgedampft. Aber er hat lobend erwähnt, dass wir ihn sehr gut versorgt haben. Dabei haben wir ihm bloß freien Eintritt in die Location in Luzern verschafft, einen Kaffee gebracht und ihm Essen zurückgestellt. Das ist doch das mindeste oder? Wenn Heiko von Köterhai glauben darf, soll es aber Bands geben, die nicht nur unglaublich unfreundlich und herablassend zu ihren Busfahrern sind, sondern die sie sogar aus dem Bus rausdreschen, so dass der Fahrer die Tour abbricht. Was geht denn bei denen ab? Dawid hatte da offensichtlich mehr Glück mit uns
In Straußberg angekommen haben wir die Veranstalter mehr oder weniger aus der Gemütlichkeit des Morgens hochgeschreckt (wir waren ja wieder mal zu früh da) und sind in den Backstageraum und in ihre Duschgelegenheit eingefallen. Es gab sogar eine Badewanne! Und eine saugeile Dusche mit Treppchen und großer Fensterscheibe. Ich bin echt neidisch. Fehlen nur noch mehrere Duschhähne, um das Gruppenduscherlebnis perfekt zu machen.
Straußberg ist zwar nur ein kleiner Ort, hat dafür aber einen riesigen wunderschönen See zu bieten. Mit einer exklusiven Stadtführung haben uns einige der HausbewohnerInnen zudem richtig neidisch gemacht: Sie haben sich für einen Spottpreis ein verfallenes Anwesen und Gebäude gekauft und renovieren das jetzt. Und der Teil, der fertig ist, sieht schon richtig gemütlich aus. Und was finde ich in all dem Bauschutt? Eine junge welt von 1985. Mit Modeseite darin, in der dem sozialistischen Mann und der sozialistischen Frau von Welt geraten wird, was er bzw. sie im Jahre 1985 zu tragen hat. Unglaublich! 1985 haben mein Bruder und ich „Wild Boys“ von Duran Duran gehört, das Schengener Abkommen wurde unterzeichnet und ich kam in die 3. Klasse der Grundschule Hude Süd. Damals trug ich rosa Pullis, zu kurze lange Hosen und hatte so einen komischen Vokuhila-Haarschnitt (wehe einer lacht!). Und nach der jw zu urteilen wäre ich in der DDR damals wohl gar nicht aufgefallen. Oder sahen die im Westen auch alle so aus?
Das Konzert selbst war nicht besonders toll besucht. Also um ehrlich zu sein schätze ich die Zahl der Besucher auf knapp 10 zahlende Gäste. Sowas ist immer beschissen als Künstler, denn du überlegst dir natürlich, wie hoch die Verluste der Veranstalter sind, welche Erwartungen du enttäuscht hast und warum um alles in der Welt keiner kommt. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an einer anderen Veranstaltung in der Nähe oder vielleicht ja auch an uns?! Wir hatten aber Besucher, die uns begeistert die Hände geschüttelt haben und unsere Show als „Profishit“ gefeiert haben. Ich bekam das Lob, schön gesungen zu haben. Worauf ich als Rapperin natürlich extrem stolz bin. Shana sagte später, das sei als wenn man eine CD macht und jemand lobt die mit den Worten „Tolles Coverfoto!“. Na ja, nehmen wir es als Ansporn besser werden zu müssen. Besser, als wenn man mich mit Sabrina Setlur verglichen hätte…
Jedenfalls danke an all die Leute, die trotz des Gewitters zu uns gefunden haben. Passt auf, wo ihr euch in den saugeilen Garten setzt. Da gibt es eine Menge Zecken und das ist ernst und nicht metaphorisch gemeint… Wir sind auf dem Weg zu unserem letzten Gig nach Köln! Und ich bin raus. Singen, du Mädchen!