Lotta C’s Weblog











{Mai 14, 2009}   Lotta on tour – 09.05.2009

Mir blutet das Herz! Hagen, wir sind da und damit auch unser letztes Konzert. Die Jungs von Anarchist werden hier aussteigen und packen schon ihre Sachen. Shana und Alva werden ebenfalls abgeholt und der klägliche Rest wird morgen früh um 4 Uhr in Wesseling aussteigen und das Merchandise wegbringen.

Zum Abschluss gehen wir alle noch ein letztes Mal essen, in einem chinesischen Riesentempel (es kommt da bei einigen die Frage auf, ob es sich dabei nicht um irgendeinen Geldwäschebetrieb handelt, denn in der Regel sind diese Restaurants ja meistens leer und schließen doch nicht).

Die Veranstalter haben uns ein tolles Catering bereitgestellt, wir haben eine Dusche (die man nicht abschließen kann, aber Dawid hat auch hierfür eine Lösung und bastelt mit Hilfe eines Stocks einen Türhebel, der die Tür während des Duschens zuhält.) und sie haben uns die halbe Straße gesperrt, damit wir mit dem Bus parken können. Das nenne ich mal eine unglaublich gute Organisation. Leider hatten wir gar keine Gelegenheit länger mit ihr zu reden, da wir alle so im Abschiedsstressschmerzwehmutsgefühl versunken waren, dass mir erst viel zu spät aufgefallen ist, dass wir ja durchaus auch mehr Kontakt hätten haben können.

In der Pelmke hat schon einiges an Musikprominenz gespielt, aber wir müssen wohl das erste Hip Hop Konzert gewesen sein. Waren Anarchist noch nie bei euch?

Jedenfalls hat es mir sehr gut gefallen, dass so viele der uns doch näher stehenden Leute zum letzten Konzert gekommen sind. Die Leverkusener mit denen wir schon das eine oder andere fette Konzert gemacht haben waren da, Lüdenscheider, unsere LebensgefährtInnen (die sollen auch erwähnt werden, schließlich haben sie Fahrer gespielt und es akzeptiert, dass wir uns eine Woche auf den Bühnen dieser Welt feiern lassen und sie dabei zuhause sitzen) und was mich besonders gefreut hat: die Bielefelder Veranstalterinnen. Zum einen war das ein Zeichen dafür, dass ihnen das Konzert gefallen haben muss, sonst wären sie ja nicht noch mal gekommen (oder wir haben so leise gerappt beim ersten Mal, dass sie unbedingt noch mal kommen mussten, um unsere Texte zu verstehen) bzw. dass wir supergeiles Merchandise haben, dass sie unbedingt auch haben wollten. Die Pullover sind aber auch der Hammer. Sagt auch Heiko. Kann man übrigens immer noch über unsere Homepage bestellen! Genauso wie die CD, von der mir mittlerweile unser Nachbar, und der ist Punkrocker durch und durch, sagt, dass er sie schon seit zwei Tagen hört und sie wirklich geil findet. Ich höre sie auch immer noch und erwische mich manchmal dabei, wie ich auf der Straße laufend die Faust hochreißen will, weil das an der Stelle im Konzert immer kam.

Traurig waren wir alle ein bisschen. Dabei sehen wir uns wieder, wir sehen uns immer wieder. Und ein Revival ist ja auch immer noch nicht vom Tisch… Der letzte Song, das outro läuft, wir liegen uns in den Armen. Ich muss runter von der Bühne, hab nen Kloß im Hals. War so schön, war so anstrengend manchmal, war so nah und so weit weg von dem was ich sonst so mache. Ich will nicht zurück ins „wahre Leben“. Ich will hier bleiben auf der Bühne mit meinen Jungs und Mädels. Ach Mensch…

Sitzen im Backstageraum, essen und trinken noch was, genießen die letzte Stunde. Die ersten gehen. Erst Shana mit Alva. Dann Bütti, Deadly und Bomba,… Wir anderen steigen für eine letzte Fahrt zu Dawid in den Bus. Müssen noch Sachen einpacken. Wem gehört das grüne Handtuch? Wo ist meine Kamera? Rossi, DJ Ra, Asya, Callya und Latimo schlafen oben in den Kojen, Dawid fährt, noch eine Stunde. Chaoze und ich sitzen allein unten am Tisch. Wie kann man einen Moment aufhalten, von dem man nicht will, dass er vorbeigeht, weil dann einfach alles vorbei ist? Klingt so dramatisch… War dramatisch. Hat weh getan. Noch eine Stunde bis wir aussteigen, 3 bis wir dann zuhause sind, 48 Stunden und ich stehe wieder im Büro, lese Unterlagen durch, die mich eigentlich nicht interessieren, schreibe Briefe, tippe, lese wieder, beantworte Mails, gehe mit Kollegen zum Essen, telefoniere, bespreche mich mit meinem Chef, lächle, hole Unterschriften ein, Stempelkarte rein, Stempelkarte raus, weiter lächeln, „Tschüß bis morgen!“ sagen, … Und so wenig Musik, so wenig echtes Leben, so wenig Menschen, die mit mir singen und die Faust heben und glauben, dass da noch was anderes geht. So wenig von dem, was sich in meinem Leben gut anfühlt. Ich weiß, dass ist eine Phase. In zwei, drei Tagen sehe ich mir die Fotos an, habe die meisten Erinnerungen nur noch als Bilder, nicht mehr als Gefühle in mir und bin wieder voll im Alltagsstress. Das ist immer so. Ist ja vielleicht auch gut so, damit ich wieder leer werde für neue Erfahrungen. Aber jetzt will ich noch nicht… Ich will noch hier bleiben. Der Bus bremst ab, wir sind wieder da angekommen, wo wir vor 10 Tagen gestartet sind.



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