„Köln, die Stadt am Rhein mein Zuhause…“ rappt Asya in „Heimat“ auf unserer CD. Dort soll die Moschee erweitert werden und das ruft so ein Nazibündnis auf den Plan, das schon zum zweiten Mal einen “Anti-Islamisierungskongress” abhalten will. Zu den Gegenprotesten waren wir als Band von einem breiten Bündnis eingeladen worden.
Am frühen Morgen kamen wir in einem Meer aus grünem Blech und Uniformen in die Stadt am Rhein. Tausende Polizisten mit einem gigantischen Fuhrpark (Wofür brauchen die alle diese Baufahrzeuge?) belagerten die Stadt. Warum eigentlich? Pro Köln bekam für ihren Anti-Islam-Kongress keine Demoroute genehmigt und an der Hauptkundgebung auf dem Barmer Platz nahmen statt der erwarteten 1000 Teilnehmer nur 150 teil. Erfreulicherweise haben es auch rund 100 AntifaschistInnen auf den selben geschafft und waren so noch näher dran als die anderen 3.000 GegendemonstrantInnen, die sich an verschiedenen Orten in Köln Deutz versammelt hatten. Nicht immer friedlich blieb die Polizei, die durch ihr massives Aufgebot und seltsame Aktionen wie das Sperren der Eingänge zum Bahnhof Deutz unter Beweis stellen mussten, dass sie Herr der Lage war, auch wenn dieses Herr sein keinen Sinn machte und vermutlich mehr Ärger heraufbeschwor, als wenn man sich bedeckter gehalten hätte. So kam es auch während unserem Auftritt zu handfesten Kampfeinlagen der behelmten und gepanzerten Bereitschaftspolizisten (wie man an so was Freude finden kann wird mir immer ein Rätsel bleiben!). Chaoze war immer wieder versucht von der Bühne zu springen und konnte nur mit Mühe aufgehalten werden. Leider fand ich die Situation oft so undurchschaubar, wer da jetzt was vorhat und wohin unterwegs war. Zwischenzeitlich kam die Meldung durch, es gäbe auf dem Kundgebungsplatz der Pro Köln Nazis eine Sitzblockade von unseren Leuten, die gerade zusammen geknüppelt werde. Daraufhin verließen mehrere hundert GegendemonstrantInnen konsequenterweise den Ort vor der Bühne. Auch wir hatten ursprünglich vor, nach nur einem Lied gleich zu gehen und uns solidarisch denen an die Seite zu setzen, die sich den Nazis an Ort und Stelle entgegenstellen und nicht mehrere Kilometer weit weg zu Wahlpropagandazwecken in Fernsehkameras lächeln. Dann kam allerdings wieder Entwarnung – die Blockade würde standhalten, Pro Köln müsse den Kongress für gescheitert erklären und die Polizei hätte die Versammlung aufgelöst.
Wir waren immer noch an der Bürgerbündnis-Bespaßungsbühne, auf der ein „Ich schreibe meine Lieder selber“-Chor sein Unwesen trieb. Ich krieg einfach nicht auf die Kette, warum diese Combos aus Gitarre, Flöte und „Wir wollen keinen Atomstrom“-SängerInnen nicht ausstirbt. Als ob es etwas Peinlicheres gäbe! Uns wurde nach unserem Kurzauftritt dann zu viel Emotionalität von irgendwelchen Schlips- und Rockträgern mit SPD-Umhängebändchen unterstellt. Sie hätten auch gute Konzepte, vielleicht etwas weniger emotionsgeladen, leitete der Redner in Mausgrau seinen Vortrag ein. Tja, Alter! Genau das ist dein Problem… Deswegen rocken wir und du kackst so ab. Peinlich!
Wer mir eigentlich wirklich leid tat, war der DGB-Jugendvorsitzende, der sich von älteren Männern mit hervorgeschwollenen Halsschlagadern, gelben Warnwesten und Blockwartton herumkommandieren lassen musste. Ich war echt sprachlos als ich das mitbekam und dachte erst, der Typ, der den anderen da so anschnauzt sei einer vom Ordnungsamt oder den Bullen. Er wolle nie wieder hören, dass da irgendwer zusammengeknüppelt wird, das könne man jetzt nicht gebrauchen, es müsse jetzt zur Ruhe aufgerufen werden blablabla… Gib dem Deutschen eine Uniform und einen Posten und er wird zum Tier! Selber keinen Arsch in der Hose, sich mit uns oder den schwarzgekleideten „Störenfrieden“ direkt anzulegen, sondern den Druck immer schön weiter nach unten geben. Da fehlt mir jedes Verständnis. Was macht denn dann den Unterschied zwischen euch und meinem Chef aus? Der tut wenigstens nicht so, als sei er mein Kollege. Da würde ich doch das nächste Mal als junger Mitorganisator mein Engagement ganz weit runterfahren und mir denken: „Mach’s selbst du Schreihals!“.
Wir haben den Ort des Geschehens gleich verlassen, nachdem wir den Kurzauftritt schnell hinter uns gebracht haben und sind dank Dawid schnell und ohne weitere Kontrollen aus Köln rausgefahren Richtung Hagen. Da sollte unser Abschlusskonzert stattfinden.