Eher sehr zufällig und weil ich Daniel Brühl mag, habe ich mir vor kurzem in der Videothek den Film “Salvador” ausgeliehen. Hinterher war ich schwer mitgenommen – vielleicht identifiziere ich mich zu sehr mit Figuren, an deren Stelle ich mich vielleicht auch sehe, hätte ich zur damaligen Zeit in der damaligen Welt gelebt – aber begeistert und möchte euch deswegen den Film ans Herz legen. Stand in meiner Videothek in der Rubrik “anspruchsvoll” und das war er auch. Endlich wieder was Sehenswertes.
Der auf einer wahren Geschichte beruhende Film spielt in Barcelona während der Franco-Diktatur im Jahre 1973/1974. Daniel Brühl , einigen vielleicht aus “Die fetten Jahre sind vorbei” bekannt, spielt die Hauptrolle des anarchistischen Widerstandskämpfers Salvador Puig Antich, der nach einigen Banküberfällen, mit denen seine Gruppe das Leben im Untergrund, Flugblätter und streikende Arbeiter unterstützt, von der politischen Polizei verhaftet wird. Auf der Flucht schießt er auf einen Polizisten, der ums Leben kommt. Ob die tödliche Kugel aus Salvadors Waffe stammt, wurde nie geklärt und es bestehen nach wie vor erhebliche Zweifel an seiner Schuld am Tod des Polizisten. Salvador wird dennoch ohne einen fairen Prozess zum Tode verurteilt und trotz intensivster Bemühungen der Anwaltskammer und seiner Familie, die sogar den Papst einschalten, der Franco um Gnade für den katalanischen Jugendlichen bittet, schließlich durch die Garrotte (das es auch noch bei unterschiedlichen Hinrichtungsmethoden Abstufungen der Grausamkeit und Perversität gibt, war mir zwar schon klar – aber die Garrotte ist wohl das Widerlichste, was mir bisher untergekommen ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Garrotte) hingerichtet. Besonderes Augenmerk legt der Film auf die intensiven letzten 12 Stunden vor der Hinrichtung und auf Salvadors Empfinden. Das wurde so gut umgesetzt, dass ich selbst die Angst, Hilflosigkeit und die nervenzermürbende Anspannung verspürte. Ein sehr leidenschaftlicher Film!
Bis heute kämpft die Familie Salvadors übrigens um eine Revision des Urteils, das durch ein Militärgericht gefällt wurde. Das Oberste Militärgericht lehnt das Gesuch bis heute ab.
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=2993&lg=de
Salvador Puig Antich
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Salvador Puig Antich (* 30. Mai 1948 in Barcelona; † 2. März 1974 im Gefängnis Modelo in Barcelona, hingerichtet) war ein spanischer Anarchist.
Salvador war der dritte von insgesamt sechs Kindern einer Arbeiterfamilie. Sein Vater Joaquim Puig gehörte in der Zeit der zweiten spanischen Republik zur Gruppierung Acció Catalana. Zunächst floh er in das Flüchtlingslager von Argelès-sur-Mer in Frankreich, kehrte jedoch nach Spanien zurück und wurde dort zum Tode verurteilt. Als Jugendlicher besuchte Salvador die religiöse Schule La Salle Bonanova, von der er jedoch wegen mangelnder Disziplin verwiesen wurde. Mit sechzehn nahm er Kurse in der Abendschule Institut Maragall. Hier freundete er sich mit Xavier Garriga und den Brüdern Oriol und Ignasi Solé Sugranyes an, die später alle Mitglieder der MIL – Movimiento Ibérico de Liberación (‚Iberische Befreiungsbewegung‘) – wurden.
Beeindruckt von den Ereignissen des Mai 68 in Frankreich entschloss er sich, am Kampf gegen das Regime Francos teilzunehmen. Seine politische Aktivität begann bei der Gewerkschaftsbewegung Comisiones Obreras (CCOO), die er im Studentenrat des ‘Institut Maragall vertrat. Seine Ansichten wandten sich rasch anarchistischen Ideen zu, die Hierarchien und Bevormundung in Gewerkschafts- und politischen Organisationen beim politischen Kampf um die Gleichberechtigung der Arbeiterklasse ablehnten.
Nach seiner Immatrikulation für das Studium der Wirtschaftswissenschaften musste er seinen Militärdienst als Sanitäter auf Ibiza ableisten. Später gesellte er sich zum militärischen Flügel der MIL. Hier war er oft Fahrer bei den Aktionen seiner Gruppe, die meistens Banken ausraubte und mit der Beute Flugblätter finanzierte sowie Streikende und inhaftierte Mitglieder unterstützte. Die Gruppe bewegte sich mit Leichtigkeit im politischen Untergrund und hielt sich oft in Frankreich auf, wo sie mit ehemals militanten Anhängern der anarchistischen Gewerkschaftsbewegung Confederación Nacional del Trabajo (CNT) in Verbindung stand.
Im August 1973 traf sie sich in Frankreich zu einer Versammlung der MIL, in der es um deren Selbstauflösung ging. Einen Monat später, nach einem weiteren bewaffneten Banküberfall, setzte eine massive Fahndungswelle der spanischen Polizei gegen die Mitglieder der MIL ein. Einzelne Mitglieder gingen ins Netz, wurden zum Teil schwer gefoltert und als Lockvögel für ihre Mitstreiter benutzt.
Am 25. September 1973 griff die Polizei in der Carrer Girona 70 in Barcelona zu, um mehrere MIL-Aktivisten zu verhaften. Hierbei kam es zum Schusswechsel, bei dem Puig Antich schwer verletzt wurde und Francisco Anguas Barragán von der Guardia Civil ums Leben kam. Obwohl Indizien darauf hinwiesen, dass der Schuss nicht aus seiner Waffe kam, wurde er am 7. Januar 1974 wegen Mordes an dem Guardia-Civil-Beamten zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde von einem Militärgericht gefällt und ist geprägt vom Rachedurst des Regimes nach dem geglückten Attentat auf den Regierungschef und persönlichen Vertrauten Francos, Luis Carrero Blanco, am 20. Dezember 1973.
In Barcelona und an vielen anderen europäischen Orten fanden Demonstrationen zu seiner Freilassung statt. Der spanische Vertreter bei der EWG wurde vor der Vollstreckung des Todesurteils gewarnt. Laut spanischen Quellen soll sich auch Papst Paul VI. für Puig Antich eingesetzt haben, ebenso wie verschiedene katholische Gruppen in Spanien. Franco und seine Mitregierenden gingen auf keine der Interventionen ein.
Am 2. März 1974 wurde das Urteil um 9:40 Uhr im Gefängnis Modelo in Barcelona vollstreckt. Der Tod wurde vom staatlich bestellten Henker mit Hilfe der Garrotte herbeigeführt. Puig Antich ist damit zusammen mit dem DDR-Flüchtling Georg Michael Welzel der letzte Verurteilte, der in Spanien mit der Garotte hingerichtet wurde. Sein Name steht heute auf einer der vielen Stelen auf dem Montjuïc-Friedhof, die der Opfer des Franco-Regimes gedenken.
Seine Verwandten bemühen sich derzeit darum, dass der Prozess neu aufgerollt wird.
Für die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien hatte seine Hinrichtung zur Folge, dass der eigentlich für den Herbst 1975 geplante Besuch der Gorch Fock in Vigo diskret abgesagt wurde.
Im Jahr 2005 verfilmte der spanische Regisseur Manuel Huergas das Leben Salvador Puig Antichs. Die Hauptrolle spielt der in Barcelona geborene deutsche Schauspieler Daniel Brühl. Salvador – Der Kampf um die Freiheit. Salvador Puig Antich, Kinostart der deutschen Fassung war im September 2007.
http://www.kino-zeit.de/filme/artikel/7215_salvador–kampf-um-die-freiheit–salvador-puig-antich.html